Nach Gefühl

Eine liebe Verwandte hat im hohen Alter das das Zeitliche gesegnet, Ihre Tochter hatte immer eine enge Beziehung zu ihr, ist doch der Ehemann und Vater früh gestorben, was die beiden fest miteinander verband.

Die Tochter erzählt von ihrer Mutter, die sie als konservativ und altmodisch empfand.

Weisst Du, sie hat mir immer und immer wieder geraten, nur nach meinem innersten Gefühl zu leben. Alle vernünftigen Gedanken seien erst in zweiter Linie für Entscheidungen gut. Das Gefühl bedeute alles.

Das Töchterchen wurde erwachsen. Verliebte sich. Es war „der Falsche“. Mindestens aus Mutters Sicht. Das ging gar nicht. Und dass die beiden gar miteinander übers Wochenende…. und und und.

Als wieder einmal eine Standpauke, natürlich fein gesittet und mit vornehmen Worten auf die Aufmüpfige hernieder ging, sagte diese zur empörten Mutter: „aber ich folge einfach nur meinem tiefen Gefühl“.‘

Konsterniert schaute die Mutter und befand kurzerhand: “ Dann ist eben dein Gefühl falsch!“

Das Töchterchen und der damals junge Mann leben in einer etwas stürmischen, aber sehr liebe- und respektvollen Ehe.

Spezialmenü für Zwei

Nach zwei eher wehmütigen Beiträgen will ich hier eine freundliche Geschichte erzählen

Ingrid und Sonja, die beide den langjährigen Ehemann vor einigen Monaten verloren haben, leben im selben Haus. Eigentlich sind sie nicht befreundet, eher durch das gemeinsame Erleben zum selben Zeitpunkt am selben Ort verbunden. Sonja und Ingrid sind so verschieden wie ihre nordisch oder südlich klingenden Namen. Und doch haben sie eine gemeinsame Unternehmung entdeckt.

An zwei Wochentagen wird die jeweilig andere Bewohnerin bekocht. Die beiden Damen haben vereinbart, sich nicht gegenseitig einzuladen. Jede deckt ihren eigenen Tisch, jede bereitet sich eigenständig vor. Am Tag „Ingrid kocht“ wartet Sonja in ihrer Wohnung gespannt darauf, dass die Türglocke läute. Voll freudiger Neugierde öffnet sie und findet – schön angerichtet und portioniert – eine Mahlzeit auf einem Tablett, das Ingrid ihr übergibt. Die umgekehrte Variante findet mit gleichem Zeremoniell an einem anderen Wochentag statt.

Einmal wöchentlich wird so in jeder Wohnungen für zwei gekocht. Und es sind Menüs, die da ausgeheckt werden, die es in sich haben.

Bereits vor ihrem Kochtag stöbert Ingrid in ihren Büchern und konsultiert die einschlägigen Internet Seiten. Sorgfältig schreibt sie ihr Menü auf und notiert die nötigen Zutaten. Sie freut sich beim Einkauf, dass sie Kleinmengen besorgen darf und nicht die homöopathischen Portiönchen für Eine! Auch das Kochen auf dem richtigen Herd und in richtigen Pfannen freut sie. Für eine Person wäre ja die Puppenküche der Enkelin genügend.

Jede Woche einmal freut sich Sonja auf Ingrids Überraschungsküche, und Ingrid bereitet sich ebenfalls einmal wöchentlich auf Traiteur Service vor. Und jede kocht einmal in der Woche wieder so, wie zuvor viele Jahre lang: ein Spezialmenü für zwei.

Schoner

Es gibt Knie-, Ellbogen-, Rücken- oder Gelenkschoner. Sie nützen meist bei sportlicher Betätigung und sollen schweren Verletzungen vorbeugen. Der Arzt verschreibt Magenschoner, Medikamente, die den Magen vor den Schäden, die andere Pillen verursachen, schützen.

Gäbe es doch nur einen Gehirnschoner, einen Gemütsschoner! Eine Wand, die uns Alten etwas behutsamer beibringt, wie es denn weitergehen soll. Etwas, das uns vor Verletzungen und Ängsten schützt.

Natürlich haben wir es in der Hand, uns zu schonen. Das ginge dann wohl mit Vertrauen, mit Liebe und mit Zuversicht. Also, liebe eigene Generation, die Schonung vor dem Raketentempo der Veränderung benötigt: schont euch selbst!

Ein Weiser schrieb kürzlich :“wenn verletzliche Geradheit zur Gewohnheit wird, verpasst man die Chance auf Respekt und Zuneigung und damit auch auf Selbstwertschätzung.“   Wie oft habe ich meine Geradheit aus übertriebener Sucht nach Ehrlichkeit im Nachhinein bereut.

Auch hier hätte ich gerne einen Schoner, um mich zu schützen vor dieser Sucht, alles immer ehrlich zu äussern. Ein frommer Jude hat  mir das einmal sehr deutlich erklärt: Nichts sei übel, das man in den Mund nehme – mit Bezug auf Speisevorschriften der Juden – aber was  den Mund verlasse, könne Übles anrichten!

Auch hier müsste es einen „Schoner“ geben!

Die kurze Zukunft?

Es sollen fröhliche Gedanken sein, zur Freude meiner Generation…. Schwieriger geworden seit wir zur Risiko Generation geworden sind. Wir beobachten die Fallzahlen und sind unsicher. Wir reden öfter davon, wie wir etwas zu tun gedenken, das noch vor einem guten halben Jahr das Einfachste der Welt schien: mit dem ö-V. hin und zurück? Doch selbst Autofahren? Parkieren? Stau? Einkaufen und nach Hause tragen zu Fuss? Gesund! Aber wir der geforderte Abstand eingehalten? Dann hat Marianne Halsweh, Regula etwas Kopfweh und schon fragt man: Test?

Wir haben es schon vorher gewusst: die Zukunft schrumpft rapide. Doch noch nie haben wir sie als bedrohlich empfunden. Die Bilder, die man uns serviert hat, haben ihre unschöne Pflicht getan. Der Tod, das Ende erscheint sehr ungemütlich.

Und immer wieder versichern wir einander, dieses Ende nicht zu fürchten, denn wir freuen uns darauf, alle Sorgen und Nöte hinter uns zu lassen. Wunschdenken, sagt unsere innere Stimme. Und wir denken an Rose, an Willi und an Erika, die im Senioren Pflegeheim schon so lange warten…..

Heimweh und Sehnsucht

Kinder, die fern des eigenen Zuhause sind -seien es Verwandtenbesuche, Pfadilager, Kinderheime, wo sie sich aufhalten, oder Spitalaufenthalte, oder gar längere aufgezwungene Abwesenheiten vom gewohnten Umfeld – leiden! Sie leiden an Heimweh, das heisst Schmerz empfinden über die Trennung vom Gewohnten. Sie vermissen schmerzlich, was bisher ihr Tagesablauf war, die Menschen, die darin vorkommen, die Einrichtung, das Haustier, dier Freundinnen oder den Berg, den sie stets vor Augen hatten.

Als Kind litt ich unter Heimweh. Es war wie eine richtige Krankheit, raubte mir Schlaf und Appetit und verursachte verschiedene Leiden, wie Magenkrämpfe, Bauchschmerzen, Halsentzündung und dazu kam ein würgendes Gefühl, ein unbeschreiblicher Schmerz. Dieser Zustand, der ausserordentlich unangenehm war, für mich, das KInd, aber auch für die Umgebung, sprich die Betreuerinnen, die Lehrer, kurz, die Stellvertreter.

Der Zustand, besserte sich mit jedem Fernbleiben vom gewohnten Daheim Er konnte nie ganz geheilt werden. Denn auf das Heimweh folgte die Sehnsucht. Wie definiere ich dieses Gefühl, das von mir Beschlag nimmt, mich überfällt in den unmöglichsten Situationen und Umgebungen? Is es der Wunsch, jemand anderer zu sein, bei jemand anderem zu sein, wo anders zu sein, irgendwohin zu gehen, anzukommen? Wenn dieses innige, brennende Sehnen mich überfällt, möchte ich die Augen schliessen, die Ohren verstopfen, die Nase zu halten. Ich möchte stehen bleiben. Und dann in mich selbst hinein fühlen, versuchen zu begreifen, wonach ich so hungere, so dürste, mich – in einem alten Wort – verzehre.

Würde ein Gebet helfen? Vielleicht! sollte ich die Gedanken ordnen und etwas Schönes erfinden, um das Sehnen zu stillen? Könnte ein Traum mich befreien?

Ich habe keine Antworten gefunden. Die Sehnsucht packt mich in den ungewöhnlichsten Augenblicken, an den wunderlichsten Orten. Sie befällt mich, schmerzt, bedrängt mich und entlässt mich wieder.

Vielleicht ist es wieder einmal die Kurze Zukunft, die meiner Altersgruppe eigen ist, die sich bemerkbar macht.

Freuden und Leiden

Mein Blog Titel war ursprünglich gedacht, um Älteren hie und da ein Lächeln, ein Schmunzeln ins Gesicht zu zaubern. Ins Gesicht, das nicht mehr in jugendlicher Frische strahlt, sondern gezeichnet ist von Jahren auf dieser wunderschönen Erde. Die Jahre jedes Einzelnen waren unterschiedlich. Sie alle erlebten Gutes und weniger Gutes, man war gesund oder krank, man war stolz auf sich und seine Lieben, man schämte sich für sich selbst und sie.

Diese erfahrenen Mitmenschen, diese „Alteren“ wollte ich fröhlich machen, für einen Moment, für eine Stunde, vielleicht für einen Tag.

Ich suchte das Leichte und die Lebensfreude, fand sie und wollte sie vermittelnn.

Heute nehme ich Abschied von diesem Vorsatz. Ich brauche selbst eine Lupe oder ein Fernglas, um die Freude für mich Alte zu finden. Gestern habe ich ein Zipfelchen gehalten: nach der trockenen, „touchless“ Coronazeit habe ich die beiden kleinen Enkel umarmt. Es hat unendlich wohlgetan. Auch den kleinen Urenkel auf den Knien zu halten war solch ein Moment.

Ich weiss, es geht nochmals aufwärts. Die Zähne werden wieder heilen, ich werde wieder ohne humpeln gehen und ohne Weinen sprechen können. Und ich werde wieder die Kraft finden, meinen Mister Excel zu umsorgen. Ich werde die Dankbarkeit wieder spüren meiner Familie und meinen Freunden gegenüber.

Ich verabschiede mich, bis ich die Freude wieder laut und deutlich spüre und mit einem Lächeln weitergeben kann.

Diebstahl Sicherung

Diese alte lederne Geldbörse war unsere Diebstahlsicherung, als mein Vater endlich seinen ältesten Traum vom Haus auf dem Land erfüllt hatte.

Das Ferienhäuschen steht am Seeufer, mitten in Feldern damals noch. Die Kühe weideten ringsum, Der benachbarte Bauer kam regelmässig, wenn wir nicht da waren. Nebst Mähen und anderen Gartenarbeiten war es seine Aufgabe, zu beobachten, ob etwas Verdächtiges passiert sei.

Zum Schutz vor Einbrüchen hatte Papa auch so seine Ideen: die Geldbörse, meinte er, müsse immer mit Inhalt mühelos greifbar sein. Denn, schlussfolgerte er, jeder Einbrecher würde erst mal Schubladen öffnen und Bares suchen. Wenn der böse Einbrecher dann die Geldbörse fand, mit „einem Zwanzigernötli und etwas Münz gefüllt“, würde er zufrieden abzotteln.* Der Schaden wäre dann gering. Papa fürchtete sich vor aufgebrochenen Schlössern, ausgeleerten Schubladen mit verstreutem Inhalt zum Aufräumen!

Inzwischen stehen viele Häuser am Weg. Die Nachbarn wohnen ganzjährig hier. Es herrscht Betrieb. Keine Kühe weiden mehr. Trotzdem ist es noch immer eine ruhige Umgebung.

Heute räume ich auf. Mein Sohn ist jetzt Hausherr. In einer Küchenschublade finde ich die braune Geldbörse. Sie ist älter als ich. Auch sie hat ihren Dienst getan: es gibt eine Alarmanlage!

  • Erklärung: Schriftsprache: ein Zwanzig Franken Schein – vor 60 Jahren ein kleines Vermögen

BLACK LIVES MATTER – aber eben auch alle anderen

Hier hat jemand der jüngeren Generation meine eigenen Gedanken zum Thema deutsch und deutlich klar gemacht. Der Begriff Rasse sollte verschwinden und es wäre einfach nur überall Anstand nötig!

Meine Ecke im Netz

Was darf ich sagen, wenn ich ausdrücken will, dass ich schwarz sehe? „Politisch korrekt“ oder im Trend der Zeit, meine ich. Muss ich sagen, ich sehe da etwas, was im extrem dunklen Bereich der Farbskala liegt?

Ich sehe es mit einer gewissen Sympathie, wenn die großen Sklavenhändler von ihren Sockeln gerissen werden. Ich begrüße es, wenn Strassen, Plätze und Kasernen einen sinnvollen Namen erhalten und nicht mehr Rassisten oder Faschisten glorifizieren. Aber ich denke auch, dass man es nicht zu weit treiben sollte. Bin ich Rassist, wenn ich aus alter Gewohnheit „Negerkuß“ zu dem köstenlichen Schoko-Sahnestück sage? Mohrenkopf finde ich da schlimmer. Auf die Idee einen farbigen Mitbürger oder Kollegen „Nigger“ zu nennen, würde ich nie kommen. Die Bezeichnung „farblich dunkler pigmentierte Hautfarbe“ ist m.E. eine Frechheit.

Sprache lebt, sie ist einfallsreich und meistens treffend. Wer überholte Begriffe nutzt, ist noch lange kein Rassist. Korrekterweise müsste der Begriff „Rasse“ komplett…

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Cogito oder nicht!

Eben, das hat Herr Descartes gesagt, der ja so viel gescheiter ist, er denkt, also ist er. Und ich? Im Moment fühle ich nur. Schon, weil in jedem zweiten Text, den ich lese, ein Autor von gefühlten 40 Grad oder gefühlten zwei Metern, oder gefühlten Minustemperaturen schreibt. Na ja, also fühlen sie halt auch.

Bei mir ist es aber leider so, ich denke auch gerne, doch es verwischt sich da einiges, manchmal macht es mich müde, manchmal vergesse ich das Gedachte.

Also ich fühle und ich bin! Ich fühle, wie ich müde werde, zu einem Zeitpunkt,wo vor nicht allzu langer Zeit noch kein Bisschen Schwäche war. Ich fühle, wie meine Augen bei langer Lektüre plötzlich nicht mehr die Verbindung zum Hirn und dem entsprechenden Nerv herstellen. Ich fühle, wie meine Arme langsamer schwingen, wenn ich bei Bayern 3 mit den Senioren Turnübungen mache. Ich fühle, wie meine Schritte Sicherheit verlieren, wie die Knie zittern , wenn es abwärts geht. Die Gefühle lassen sich beliebig erweitern.

Und ich fühle, wie mir das Denken abhanden kommt, wie ich mich immer mehr in in meine Mitmenschen hinein fühle, in die traurigen Angehörigen einer Patientin, die wohl nicht mehr zurück in ihr Heim kann, an die Ehefrau, deren Mann schwer krank im Spital liegt, an die Menschen, denen Verluste bevorstehen. Ich fühle mich auch ein wenig hinein in den Mainstream, der diese Horden auf die Strasse gehen lässt, obwohl ich es mit dem bisschen Denken nicht gut heissen kann.

So schreibe ich an diesem regnerischen Tag: Ich fühle, also bin ich!

Denken, Erinnern, Verstehen

Obwohl ich mir vorgenommen hatte, Freundliches, Fröhliches Festliches zu beschreiben, das älteren Menschen oder vielleicht auch mal jüngeren Freude bereitet, neige ich in letzter Zeit dazu, besinnlicher zu sein.

Vielleicht ist es die Endlichkeit, das eigene Verfalldatum, die näher rücken und deren Nähe wir zu spüren bekommen. Vielleicht hat die Natur (Gott? Vorsehung? Schöpfung?) uns so eingerichtet, diese Abschlusszeit zu empfinden. Es gilt also, sie zu nützen!

Haben wir jetzt mehr Zeit, wo wir keine Aufgaben wahrnehmen müssen? Wir können, sollen oder dürfen sie erfüllen. Wir dürfen aber auch in die Wolken sehen und denken. Geht das Sinnen dann rückwärts? Bei mir schon. Immer an Geschichte und Geschichten mehr interessiert als an Physik, Mathematik und Chemie, dreht sich mein Gedankenfluss und geht zu den Quellen zurück.

Worte, die der Vater, ein Lehrer eine Freundin, ein Freund mir sagten oder schrieben, stehen in dieser Wolkenwand. Sie tönen in meinen Ohren und sie gelangen zusammen mit vielem, das ich gelesen habe, in mein rückwärts gewandtes Gehirn.

Und mit all diesen Erinnerungen an Gutes und Schönes, an Gescheites und Dummes erscheinen neue Geschichten, die sich mit dem täglichen Leben einer alten Frau (gerne auch älteren Dame) vermischen.

Daraus folgt für mich Erstaunliches. Langsam beginne ich aus den neuen Geschichten zu verstehen: es kommt ein grosses Aha auf mich zu. Deshalb also hat die Grossmutter nie gelächelt. Darum wurde mein Vater in diesem Moment aus einem kleinen, unersichtlichen Grund plötzlich so fuchsteufelswild! Und auch noch dieses: vielleicht war ich gerade damals mit so einer Geschichte befangen und schrie deshalb mein Gegenüber an. Beispiele finden sich jetzt und werden sich mir wohl weiterhin beim Laufen und unter der Dusche vorstellen.

Gerne hätte ich mehr „Freude für die Alteren“ bekannt gemacht. Vielleicht hilft es, einfach den Mechanismus zu verstehen, oder sich darüber zu freuen, wie Erkenntnisse funktionieren!