Kundenfreundlichkeit und Kundentreue

Erinnern Sie sich noch, wie das war? Für den Einkauf ging man ins Dorf oder in die Stadt. Zu Fuss – es war die Zeit, als man ohne Schrittzähler und Handys auf genügend Bewegung und somit gesund leben durfte. Persönliche Erinnerungen kommen da hervor: die Metzgersfrau, die neben der Belehrung, wie das gekaufte Stück denn zu kochen sei, auch gleich noch ein sogenanntes „Rädli“ für die Kleinen überreichte, das „Sag schön danke“, automatisiert über die Lippen der Mutter und Wünsche für einen guten Tag dazu. Der Gemüsehändler auf dem Markt, er packte gerne noch ein Büschel Petersilie dazu und grinste breit, wenn er die Karotten ins Zeitungspapier wickelte. Beim Bäcker war die Auswahl auf hell, dunkel, lang, rund beschränkt, dies alles in den Grössen 500 g, 1 kg oder 2 kg. Die Bäckereien von heutzutage wirken wie ein Gemischtwaren Laden.

Wenn die Hausfrau ihre Tasche zur Hand nahm, die Münzen in den Geldbeutel speiste, den Zettel kontrollierte und in die Tasche stopfte, kannte sie im voraus die Gesichter und die Stimmen der Händler und Gewerbler, bei denen sie ihre Einkaufsliste abarbeiten würde. Die wussten ihrerseits, dass sie heute wie jeden Mittwoch bei ihnen vor der Theke stehen würde. Auf jeder Seite waren die Themen klar, denn man kannte und achtete einander. Man konnte aufeinander zählen.

Das Problem in jener Zeit war die Konfessionszugehörigkeit. In vielen Gegenden war es üblich und akzeptiert, ja gefordert: man kaufte nicht bei den Andersgläubigen. Diese eigenartige (Un)Sitte will ich gerne ein andermal beleuchten.

Heute haben in fast allen Bereichen die Sozialen Medien und die Elektronische Datenverarbeitung die Stelle der menschlich-persönlichen Beziehungen eingenommen. Die Kundinnen blicken von ihren Handys, die als Einkaufszettel, Legitimation, Zahlungsmittel und nebenbei noch als Telefon dienen, kaum auf. Trotz bester Information durch alle diese möglichen Medien wird nach Belieben eingekauft, Avocados, Papaya, Mangos, Frühlingsblumen und Spargeln zu jeder Jahreszeit. Die Grossverteiler wissen alles über die Kundschaft, verarbeiten die Datenmenge zu einer Person und bombardieren sie mit Werbung, passend zum Kundenprofil. Dem Kunden/der Kundin wird mit Coupons, Rabatten, Punkten usw. der Wechsel zur Konkurrenz erschwert, weil es bequemer wird, „geleitet“ einzukaufen. Was für ein Unterschied zu den Einkäufen unserer Mütter oder Grossmütter.

An die Stelle des Gesprächs an der Theke ist die Elektronik getreten. Das Bemühen, die Kundschaft zu halten, ist dasselbe geblieben. Die Mittel sind anders.

Es ist nicht alles gut was war. Es ist nicht alles gut was ist. Es ist nicht alles gut was kommt. ABER ES IST VIELES GUT!

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