Kataloge

Es gibt viele Arten dieser spannenden Lektüre, und es gibt sie auch als Auflistung von Fragen, Lösungen und in der Politik. Für mich sind sie Relikt aus einer Zeit, wo Internet noch ein Fremdwort war, und die ersten Rechner – oft als „Komputer“ in abschätzigen Tonvarianten ausgesprochen – als Teufelszeug galten. Insbesondere die Generation unserer Eltern, also diese Kinder der letzten Jahrhundertwende, fand den Zugang zur neuen Technik kaum bis gar nicht.

So sass mein Papa über den Wohnzimmer Tisch gebeugt hinter den Katalogen. Er war nicht mehr sehr mobil, wollte aber am Kaufverhalten teilnehmen und natürlich auch seine Wissbegierde und Neugierde stillen, was Mode und „Mödeli“ betraf! Seine Interessen waren schon immer vielfältig gewesen. Und er liebte „Gadgets“, diese kleinen und grossen Helfer im Alltag, die eigentlich niemand brauchte, aber jeder gerne haben wollte. Stundenlang also las er Kataloge, solche mit Fahrrädern und Zubehör (seine letzte Fahrt auf dem Zweirad lag in etwa eine halbe Ewigkeit zurück), Gartengeräten (er liess gärtnern), Damenoberbekleidung, (keine persönliche Verwendung, hier war das Interesse am Beruf noch immer aktuell). So konnte die Zeit rasch vergehen. Und irgendwann fand er dann einen Artikel, der ihm oder jemandem aus seinem Kreis Freude bereiten konnte. Sorgfältig füllte er den Bestelltalon aus, übergab ihn frankiert einer Hilfe, und fing mit dem Warten auf den Postboten an. Seine Freude bei Ankunft des Bestellten war höchstens durch das mühsame Auspacken getrübt.

Wenn ich auf meinem Handy die Lieferung eines Paketes avisiert bekomme, erfasst mich wahrscheinlich eine ähnliche Freude. Ich erwarte dann was ich in den Internet Seiten der Mode- Haushalt- und Mobiliar- Lieferanten erstöbert habe. Und steht das Paket dann in der Wohnung, wird mit Energie und Tatendrang ausgepackt. Ich bestaune, probiere, entferne Stecknadeln und Labels. Die neuen Sachen sind angekommen!

Was sich geändert hat? War mein Papa noch eher eine Ausnahme und seine Mit-Besteller im Katalog meist Bewohner einer abgelegenen Gegend, so bin ich eine urbane Rentnerin mit Laptop, Handy und vielen Passwörtern, und dabei eine von unglaublich vielen Versand Kunden!

Ein Kommentar zu „Kataloge

  1. Als Kind habe ich die Kataloge meiner Eltern geliebt. Ich stellte mir immer vor, was ich kaufen würde und wie es wäre, diese Dinge zu besitzen. Alte Kataloge durfte ich zerschneiden und Collagen kleben. Da entstanden ganze möblierte Wohnungen oder Fashionshows. Bestellungen gab es auch, aber oft war man enttäuscht, weil das Teil nicht immer das erfüllte, was versprochen wurde und so lernte ich schnell, was Fake bedeutet und das es in der Werbebranche so sein musste, um mehr zu verkaufen. SocialMedia hat das übernommen und mit all den leicht zu handhabenden Apps und Filtern selbst den kleinsten Accountbesitzer zu einem werbetauglichen Mediengestalter gemacht.

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