Count your blessings

Farbenfrohes Leben

Ich schreibe für, mit und in den achtzigern. Nicht die Achtzigerjahre des vergangenen Jahrhundert, da waren wir noch Jungspunde, nein ich meine die vermaledeite Altersgruppe, die heute mit Hochrisiko, Daheim-zu-bleibende und sowieso übrig Gebliebene apostrophiert wird.

Es fällt mir in den vielen Ferngesprächen auf, wie zufrieden wir eigentlich sind, sein sollten, gewesen waren, je nachdem wer denn am anderen Ende der viel benützten Strippe sitzt, liegt oder steht. Sie – die am anderen Ende – haben nämlich alle auch Altersgebrechen: Rücken, Nacken Schulter Hüfte, nennen wir das Teil: es schmerzt! Anne kann nicht sitzen, Rosa liebt es, mit dem Hörer rumzulatschen, um die Zirkulation am Laufen zu halten, während Roland es vorzieht, auf einem harten Stuhl sitzend sich zu äussern ohne zu husten.

Mit diesen Einschränkungen, und noch einigen zusätzlichen, versichern wir uns immer wieder, welch glückliches Schicksal wir haben. Unser gemeinsames Geburtsdatum, knapp vor dem zweiten Weltkrieg, bewirkte unseren glücklichen Lebenslauf. Da waren Einschränkungen, Rationierung, Knappheit, ungeheizte Wohnräume, das Elend der Verfolgten, die überlebten, der Hunger in den Kriegs geschädigten Gegenden der Welt. Doch wir, in der Schweiz konnten schon bald nach 1945 aufatmen. Es begann langsam und bedächtig eine Zeit, in der Öffnung, Verständnis, Hilfsbereitschaft und letztlich Wohlstand wuchsen. Sie lösten Engstirnigkeit, Verdrossenheit, Not, Knappheit und Neid weitgehend ab.

Unsere Schulzeit reichte von Schiefertafel, Kreide und Schwamm über eigene Bleistifte, Farbstifte, Wasserfarben zu einem Füller und darüber hinaus zu einem Schreibmaschinenkurs. Gleichzeitig wurden Aktivitäten wie die Schulreise ausgebaut. War man anfangs dankbar für einen Ausflug in den nahen Wald, so konnten wir am Ende der Schulzeit schon eine Reise nach Florenz unternehmen. Grenzen, geschlossen als wir Primarschülerinnen waren, öffneten sich. Und unsere Kinder kannten schon kaum mehr Kontrollen, wenn wir Freunde im benachbarten Italien besuchten.

Wir waren Wachstums-gläubig, nahmen am Rande das Bestreben nach mehr Naturschutz wahr, doch die Überzeugung, es gehe ungebremst weiter, begleitete uns im Unterbewusstsein. Das Wachstum war per se gut, ohne Ansehen der negativen Auswirkungen auf Natur, Gesellschaft und Handel. Es ging recht lange, bis wir uns mit negativen Folgen ernsthaft auseinandersetzten, meist durch unsere Kinder darauf aufmerksam gemacht.

Es ging uns gut, uns Achtzigjährigen, während unseres Lebens. Und eben diese Erkenntnis verbindet uns, hilft uns und macht uns stark wenn wir Telefon Konversationen mit „wie geht es heute“ oder „was machst du jetzt gerade?“ und „hast du gehört, dass..?“ beginnen. Hören wir dann Ungemach, Krankheit, Verlustmeldungen, dann können wir zurück denken. We count our blessings, wir zählen die Segnungen, die uns in diesem langen Leben zuteil wurden!

Ein Kommentar zu „Count your blessings

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